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Resolution der GPA-djp eingebracht über den Bundesvorstand, 26.11.2015

Rettet das Funkhaus!
GPA-djp gegen einen Verkauf des Wiener Funkhauses – Warnung vor drohendem Personalabbau und massiver Beeinträchtigung der journalistischen Vielfalt und Unabhängigkeit

Die GPA-djp schließt sich der breiten Protestwelle an, die einen Verkauf des Wiener Funkhauses in der Argentinierstraße zu verhindern trachtet.
Es ist selbstverständlich, dass der ORF, sich für die wirtschaftlichen und programmlichen Herausforderungen in der gegenwärtigen und zukünftigen Medienwelt rüstet. Den Verkauf des Wiener Funkhauses und die damit einhergehende Übersiedelung der ORF-Radios, eventuell auch des Landesstudios Wien, aus der Innenstadt an den Stadtrand auf den Küniglberg halten wir aber aus mehreren Gründen für kein probates Mittel.
• Nach allen Erfahrungswerten haben örtliche Konzentrationsprozesse von Großunternehmen immer auch Personalabbau zur Folge. Das ist auch in diesem Fall zu befürchten, denn Einsparungen bei den Personalkosten, im Managementjargon als “Synergien” verbrämt, waren letztlich ausschlaggebend für die umstrittene Entscheidung des Stiftungsrates, des ORF-Aufsichtsgremiums im Jahre 2014. Gefährdet sind die Arbeitsplätze von JournalistInnen, TechnikerInnen und administrativem Personal, wenn es zur Zusammenlegung der Wiener ORF-Standorte kommt.
• Gefährdet sind aber auch die bislang bestehenden Senderidentitäten bei einem solchen Konzentrationsprozess. Insbesondere das im europäischen Vergleich erfolgreichste Kultur- und Informationsradio Ö1, Herzstück der öffentlich-rechtlichen Identität des ORF, ist hier einer massiven Bedrohung ausgesetzt, weil wesentliche Teile des Senders entweder in einem trimedialen Newsroom oder in sogenannten “multimedialen Programmclustern” im ORF-Zentrum aufgehen sollen.
• Gefährdet ist aber auch die journalistische Unabhängigkeit des ORF, wie es auch die wiederholten Warnrufe der RedakteurssprecherInnen zeigen. Die Zusammenführung aller Nachrichtenredaktionen und Informationsdienste (Radio, Fernsehen, Online und Teletext) in einem Newsroom und unter ein letztentscheidendes Kommando (InformationsdirektorIn) trägt zur Verringerung der Informationsvielfalt im ORF bei. Vielfalt und Unabhängigkeit der Berichterstattung sind aber die Kernaufgaben jeder öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt. Diese Grundwerte einer unnötigen Bedrohung auszusetzen, kann einen unabsehbaren Imageschaden für den ORF und seine MitarbeiterInnen nach sich ziehen.
• Auch die bislang öffentlich bekannten wirtschaftlichen Parameter für einen Verkauf des Wiener Funkhauses lassen berechtigte Zweifel an der Sinnhaftigkeit und Zweckmäßigkeit dieses Vorhabens aufkommen. Denn nach einem etwaigen Verkauf muss der ORF beträchtliche Teile des Gebäudes für eigene Zwecke anmieten. Dieser Umstand und die Tatsache, dass der potenzielle Verkaufserlös zu nichts anderem als einem ausgeglichenen ORF-Budget 2016 führen soll, lässt darauf schließen, dass hier unnötigerweise und unwiederbringlich Familiensilber verschleudert werden soll, und das womöglich an Immobilienspekulanten.

Aus all diesen Gründen fordern wir die Geschäftsführung des ORF und den Stiftungsrat als letztentscheidendes Gremium dieses Unternehmens dazu auf, die Entscheidung über einen Verkauf des Wiener Funkhauses noch einmal zu überdenken und zurückzunehmen!
Rettet das Funkhaus – das ist auch für uns GewerkschafterInnen ein Gebot der Stunde. Im Interesse der ORF-Belegschaft und im Interesse des ORF-Publikums, das in einem weithin von Konzentrationsprozessen geprägten Medienland Österreich auf Unabhängigkeit und Qualität der Berichterstattung und des Programms angewiesen ist.

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