Resolution der Betriebsversammlung Radio

Wien, 10. Februar 2014

Resolution der Betriebsversammlung ORF-Hörfunk

Die Betriebsversammlung des ORF-Hörfunk – Ö1, Ö3, FM4, Teletext, Internet und Radiosymphonieorchester – stellt sich vehement gegen die Pläne der ORF-Geschäftsführung das Funkhaus dem Rotstift zu opfern.
Wir halten das für bedrohliche und undurchdachte Maßnahmen, die uns als Belegschaft treffen sollen, und die darüber hinaus Sendermarken und Kulturidentitäten beschädigen werden.
Welche Zukunft hat ein Radiokulturhaus ohne laufenden Radiobetrieb?
Welche Zukunft hat ein Radiosymphonieorchester ohne direkten Kontakt mit Ö1 und seinen Archiven?
Welche Zukunft haben Radiosender, denen eine Trennung zwischen aktueller Berichterstattung und dokumentarisch-gesellschaftlich-kulturellen Bereichen bevorstehen soll?
Und wie sollen Qualität und Unabhängigkeit des Radiojournalismus in einem „zentralen newsroom“ garantiert werden?
Daher fordern wir den Generaldirektor und den Hörfunkdirektor auf, von diesen Plänen Abstand zu nehmen.
Das Funkhaus in der Argentinierstrasse darf nicht aufgegeben werden!

Das Wiener Funkhaus ist nicht nur historisch und kulturell bedeutsam.
Es ist der Ort, an dem jeden Tag Radio und Kultur geschaffen werden, seit Jahrzehnten.
Es hat einen unschätzbaren Standortvorteil in Innenstadtnähe, für alle, die uns täglich zu Gesprächen, Interviews, Lesungen, Diskussionen und Konzerten besuchen.

Die von der ORF Geschäftsführung erhoffte finanzielle Synergie ist aus heutiger Sicht und für die Zukunft nicht nachvollziehbar. Verluste, die zu befürchten sind, und das sind nicht nur finanzielle sondern auch Identitätsfragen, wiegen schwerer.

Daher der Aufruf an die ORF-Geschäftsführung und an die ORF-Stiftungsräte:
Verkaufen Sie nicht unser gemeinsames Radio- und Kulturhaus!

Im Namen der Belegschaft

Gerhard Moser e.h. Fabio Polly e.h.
Betriebsratsobmann Schriftführer
ORF-Radio ORF-Radio

16 Gedanken zu “Resolution der Betriebsversammlung Radio

  1. Auch dei GPA-djp unterstützt uns jetzt. Interessante Resolution!
    Resolution der GPA-djp eingebracht über den Bundesvorstand, 26.11.2015

    Rettet das Funkhaus!
    GPA-djp gegen einen Verkauf des Wiener Funkhauses – Warnung vor drohendem Personalabbau und massiver Beeinträchtigung der journalistischen Vielfalt und Unabhängigkeit

    Die GPA-djp schließt sich der breiten Protestwelle an, die einen Verkauf des Wiener Funkhauses in der Argentinierstraße zu verhindern trachtet.
    Es ist selbstverständlich, dass der ORF, sich für die wirtschaftlichen und programmlichen Herausforderungen in der gegenwärtigen und zukünftigen Medienwelt rüstet. Den Verkauf des Wiener Funkhauses und die damit einhergehende Übersiedelung der ORF-Radios, eventuell auch des Landesstudios Wien, aus der Innenstadt an den Stadtrand auf den Küniglberg halten wir aber aus mehreren Gründen für kein probates Mittel.
    • Nach allen Erfahrungswerten haben örtliche Konzentrationsprozesse von Großunternehmen immer auch Personalabbau zur Folge. Das ist auch in diesem Fall zu befürchten, denn Einsparungen bei den Personalkosten, im Managementjargon als „Synergien“ verbrämt, waren letztlich ausschlaggebend für die umstrittene Entscheidung des Stiftungsrates, des ORF-Aufsichtsgremiums im Jahre 2014. Gefährdet sind die Arbeitsplätze von JournalistInnen, TechnikerInnen und administrativem Personal, wenn es zur Zusammenlegung der Wiener ORF-Standorte kommt.
    • Gefährdet sind aber auch die bislang bestehenden Senderidentitäten bei einem solchen Konzentrationsprozess. Insbesondere das im europäischen Vergleich erfolgreichste Kultur- und Informationsradio Ö1, Herzstück der öffentlich-rechtlichen Identität des ORF, ist hier einer massiven Bedrohung ausgesetzt, weil wesentliche Teile des Senders entweder in einem trimedialen Newsroom oder in sogenannten „multimedialen Programmclustern“ im ORF-Zentrum aufgehen sollen.
    • Gefährdet ist aber auch die journalistische Unabhängigkeit des ORF, wie es auch die wiederholten Warnrufe der RedakteurssprecherInnen zeigen. Die Zusammenführung aller Nachrichtenredaktionen und Informationsdienste (Radio, Fernsehen, Online und Teletext) in einem Newsroom und unter ein letztentscheidendes Kommando (InformationsdirektorIn) trägt zur Verringerung der Informationsvielfalt im ORF bei. Vielfalt und Unabhängigkeit der Berichterstattung sind aber die Kernaufgaben jeder öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt. Diese Grundwerte einer unnötigen Bedrohung auszusetzen, kann einen unabsehbaren Imageschaden für den ORF und seine MitarbeiterInnen nach sich ziehen.
    • Auch die bislang öffentlich bekannten wirtschaftlichen Parameter für einen Verkauf des Wiener Funkhauses lassen berechtigte Zweifel an der Sinnhaftigkeit und Zweckmäßigkeit dieses Vorhabens aufkommen. Denn nach einem etwaigen Verkauf muss der ORF beträchtliche Teile des Gebäudes für eigene Zwecke anmieten. Dieser Umstand und die Tatsache, dass der potenzielle Verkaufserlös zu nichts anderem als einem ausgeglichenen ORF-Budget 2016 führen soll, lässt darauf schließen, dass hier unnötigerweise und unwiederbringlich Familiensilber verschleudert werden soll, und das womöglich an Immobilienspekulanten.

    Aus all diesen Gründen fordern wir die Geschäftsführung des ORF und den Stiftungsrat als letztentscheidendes Gremium dieses Unternehmens dazu auf, die Entscheidung über einen Verkauf des Wiener Funkhauses noch einmal zu überdenken und zurückzunehmen!
    Rettet das Funkhaus – das ist auch für uns GewerkschafterInnen ein Gebot der Stunde. Im Interesse der ORF-Belegschaft und im Interesse des ORF-Publikums, das in einem weithin von Konzentrationsprozessen geprägten Medienland Österreich auf Unabhängigkeit und Qualität der Berichterstattung und des Programms angewiesen ist.

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